30.05.18 - Der Positivismusstreit

Schlagwörter: Adorno, Popper, Positivismus

In dieser Sitzung beschäftigen wir uns mit dem Positivismusstreit und seinen austragenden Parteien.

Sitzungen

25.04.18 - Einführung

25.04.18 - Einführung

02.05.18 - Wissenschaftsbetrug im eigenen Fachbereich

02.05.18 - Wissenschaftsbetrug im eigenen Fachbereich

09.05.18 - Kuriose Fälle des Wissenschaftsbetrugs

09.05.18 - Kuriose Fälle des Wissenschaftsbetrugs

16.05.18 - Die Erkenntnistheorie

16.05.18 - Die Erkenntnistheorie

30.05.18 - Der Positivismusstreit

06.06.18 - Fachbegriffe der Plagiatsjäger

06.06.18 - Fachbegriffe der Plagiatsjäger

13.06.18 - Schluss mit der Willkür an Hochschulen

13.06.18 - Schluss mit der Willkür an Hochschulen

Exkurs I - Hierarchie Vroniplag

Exkurs I - Hierarchie Vroniplag

20.06.18 - Lügen mit Statistik I

20.06.18 - Lügen mit Statistik I

11.07.18 - Lügen mit Statistik II

11.07.18 - Lügen mit Statistik II

Exkurs II - Personen bei Vroniplag

Exkurs II - Personen bei Vroniplag

18.07.18 - Abschlusssitzung

18.07.18 - Abschlusssitzung

Lernfazit und Sammlung der verwendeten Quellen

Lernfazit und Sammlung der verwendeten Quellen

Positivismus - Was ist das?

Positivismus ist die Lehre vom Tatsächlichen. Es geht hierbei um Beobachtbares und Erfahrbares. Ergo ist Nicht-Erfahrbares nicht wissenschaftlich, und somit nicht von Bedeutung.

Der Begriff bildet sich schon bei Auguste Comte (1798 - 1857) in seiner positiven Philosophie aus. Da zu diesem Begriff bis jetzt keine einheitliche Definition festgesetzt werden konnte wird zwischen einem engeren und einem weiteren Verständnis unterschieden. Das engere Verständnis bezieht sich auf Comte, so dass Soziologie eine Naturwissenschaft werden kann, indem sie empirisch nach den Gesetzmäßigkeiten sucht, welche die Gesellschaft ausfüllen. Diese "rationale Sozialtechnologie" soll es ermöglichen, die Gesellschaft positiver zu gestalten. Das weitere Verständnis ist von vielen Definitionen geprägt, welche aber alle den klassischen Empirismus vertreten, also nach Erkenntnisgewinnung nach dem Ideal des naturwissenschaftlich-exakten streben.

Der Positivismus fand durchaus häufig Kritik und wurde häufig als fehlerhafte Idee einer Gesellschaftsanalyse wahrgenommen. In dieser Diskussion entstanden unter anderem auch die Dualismen Verstehen vs. Erklären, oder auch indiographische vs. nomothetische Wissenschaft.

Literatur: Mozetic, Gerald: Positivismus. In: Burzan, Endruweit, Trommsdorff [Hrsg.]: Wörterbuch der Soziologie. Konstanz 2014, S. 361-364.

Karl R. Popper

(Details)

Karl R. Popper

Karl R. Popper (28.07.1902 bis 17.09.1994) war vor allem für seine Arbeiten zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie bekannt. Der österreichisch-britische Philosoph war unter anderem Verfechter des empirischen Falsifikationsprinzips, wonach  "wissenschaftliche Theorien lediglich unsichere Spekulationen sind, die die empirische Wissenschaft durch Suche nach widersprechenden Beobachtungen umzustoßen versuchen". (https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper Stand:04.06.2018)

Er war Gegner der klassischen Erkenntnistheorie. "Nicht mehr die Feststellung, dass einer Behauptung die Begründung fehlt, soll genügen, damit sie verworfen werden darf, sondern es muss ein logischer Widerspruch zu den Tatsachen vorliegen." (https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper Stand:04.06.2018)

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper (Stand: 04.06.2018)

Kritischer Rationalismus vs. kritische Theorie

Kritischer Rationalismus

Kritische Theorie

  • Entlarvung der Totalität der Gesellschaft als widerspruchsvollen Gesamtzusammenhang
  • Steht "quer zur bestehenden gesellschaftlichen Realität" (S. 10)
  • "Der Mensch hat zwar die Gesellschaft erzeugt, jedoch ohne daß er Herr über sie ist. Die gesellschaftlichen Mechanismen haben sich verselbstständigt und den Menschen zum Objekt degradiert." (S.10)
  • Literatur: Apel, Hartmut: Die Gesellschaftstheorie der Frankfurter Schule. Frankfurt 1980.

Der "Positivismusstreit" in der deutschen Soziologie

Der Begriff "Positivismusstreit" ergibt sich aus einem Konflikt zwischen Karl R. Popper und Theodor W. Adono, welche 1961 auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Referate zur "Logik der Sozialwissenschaften" hielten.  Popper vertrat dabei den Standpunkt des kritischen Rationalismus und Adorno die kritische Theorie der Frankfurter Schule. Die eigentliche Differenz der beiden Referenten hatte zunächst gar nichts mit dem Positivismus zu tun. In der zweiten Diskussionsphase referierten dann Jürgen Habermas und Hans Albert, welche ebenfalls einen wissenschaftlichen Disput hatten. Adorno veröffentlichte darauf einen Sammelband dieser Diskussionen unter dem Begriff "Positivismusstreit" 1969.

Literatur: Mozetic, Gerald: Positivismus. In: Burzan, Endruweit, Trommsdorff [Hrsg.]: Wörterbuch der Soziologie. Konstanz 2014, S. 361-364.

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno

Der deutsche Philosoph, Soziologie, Musiktheoretiker und Komponist Theodor W. Adorno lebte von 11.09.1903 bis zum 06.04.1969. Zunächst studierte er Philosophie, später lehrte er an der Frankfurter Universität, wo er auch Mitglied des Institutes für Sozialforschung wurde, aus welcher die Frankfurter Schule entstand (siehe unten). Während des Nationalsozialismus erhielt er 1933 ein Lehrverbot und immigrierte in die USA. Als er nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehrte ging er mit Reden, Publikationen und Rundfunkbeiträgen in die Öffentlichkeit des Nachkriegsdeutschlands und trug gewollt "zur demokratischen Umerziehung des deutschen Volkes"(https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_W._Adorno Stand: 04.06.2018) bei.

Adorno folgt in seiner Philosophie und Soziologie den Ideen Hegels, Marx´und Freuds, und kritisert den Kapitalismus. Zusammen mit Max Horkheimer gilt er als Hauptvertreter der Kritischen Theorie (siehe unten).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_W._Adorno (Stand:04.06.2018)

Die Frankfurter Schule

Die Frankfurter Schule ergab sich aus dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Frankfurter Goethe Universität und beschäftigte sich mit philosophisch orientierter Sozialforschung. 1958 übernahm Adorno von Horkheimer die Institutsleitung. Während der NS-Zeit wurde das Institut zunächst nach Genf, dann in die USA, nach New York und Los Angeles verlegt, die Neugründung in Frankfurt geschah 1950.

Die Herangehensweise bezieht sich vor allem auf den Standpunkt, dass in der modernen Gesellschaft alles mit allem zusammenhängt und ein verbundenes Ganzes bildet. Dies ist auch auf das Individuum bezogen, welches zunehmend (zum Teil unbewusst) seine Individualität verliert und zu einem Vollzugsorgan der Gesellschaft wird. 

Die Frankfurter Schule vertritt den Ansatz der kritischen Theorie, welche auch von Adorno im Positivismusstreit vertreten wird. Demgegenüber stand Popper mit einem kritisch rationalistischen Ansatz.

Quelle: http://www.philolex.de/frankfur.htm (Stand: 04.06.2018)

"Die Frankfurter Schule versteht sich als Repräsentant und Nachfolger der klassischen Philosophie, die ein Gesellschaftsideal vertritt, das am Glauben an die Möglichkeit des Menschen orientiert ist." ( Apel, Hartmut: Die Gesellschaftstheorie der Frankfurter Schule. Frankfurt 1980, S. 11.)

 

Kommentare


    Kommentar hinzufügen

    Mit '*' markierte Felder werden benötigt.
    Die Kommentare werden moderiert. Ihre Kommentare werden erst veröffentlicht, wenn der Eigentümer diese durchgesehen hat.